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Artikel aus der BZ vom 12.11.2021

Barmstedt verliert Edeka-Jensen
Viel Frust und Ärger um die Schließung des beliebten Supermarkts an der August-Christen-Straße

Michael Bunk

Bürger, die enttäuscht sind, Politiker, die ob der Kommunikation auf Zinne sind: Die Ankündigung von Kaufmann Claus-Peter Jensen, den von ihm betriebenen Edeka-Markt an der August-Christen-Straße zu Ende Juni 2022 zu schließen, hat in Barmstedt ein mittleres Beben ausgelöst.
Jensen hat die Nachricht von der Aufgabe des Geschäfts, das er seit 2003 betreibt, mit heftiger Kritik an Verwaltung und Selbstverwaltung in der ehemaligen Schusterstadt garniert. Deren Überraschung über seinen Schritt mag er nicht verstehen. Er habe es schon längere Zeit auch gegenüber den politisch Verantwortlichen kommuniziert, sagte Jensen auf Anfrage.
Der Zeitpunkt kam aber zumindest für Außenstehende schon unerwartet, diskutiert die Politik doch seit einigen Monaten über einen Ergänzungsbau für die benachbarte Gottfried-Semper-Schule - und hat dabei auch das Grundstück mit dem Supermarkt und dem angrenzenden Trakt, in dessen Obergeschoss bis zum Sommer die hausärztliche Gemeinschaftspraxis beheimatet war, im Blick. Dem Vernehmen nach soll auch darüber gesprochen worden sein, wie die Einkaufsmöglichkeit dort erhalten werden kann. Eine Ausweitung des Grundstücks bis an die AKN-Bahnlinie heran ist demnach im Gespräch. Genaueres aber dringt nicht nach außen, da die Flächen in Privatbesitz sind und dieses Thema in den Sitzungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit behandelt wird. Entschieden ist noch nichts.
Grundsätzlich aber betont nicht nur Ortwin Schmidt (CDU) als Vorsitzender des Bauausschusses: "Wir wollen im unteren Norden die Nahversorgung erhalten." Er, wie auch Hans Hansen (SPD), verweisen auf die seniorengerechte Wohnanlage an der ehemaligen Geno-Mühle ebenso wie auf die an Nappenhorn und Krützkamp angrenzenden Wohngebiete, für die ein Markt in fußläufiger Entfernung wichtig sei.
Der aktuelle Zustand ist alles andere als modern oder ansprechend. Das weiß auch Claus-Peter Jensen. Der kleine Edeka-Markt mit einer Verkaufsfläche von etwa 690 Quadratmetern sei schon bei der Übernahme durch ihn vor 18 Jahren nicht zeitgemäß gewesen. Alle seine Bemühungen, innerhalb Barmstedts umzusiedeln und sich zu vergrößern seien aber von der Politik abgelehnt worden. "Deshalb habe ich die Reißleine gezogen", sagte Jensen, betonte aber: "Glücklich bin ich damit nicht."
Zuletzt hatte Jensen die Wiese an der Hamburger Straße kurz vor der Barmstedter Stadtgrenze zu Heede als möglichen Standort ausgeguckt. "Der ist einstimmig abgelehnt worden. Das habe ich zu akzeptieren, dann muss man aber auch meinen Standpunkt akzeptieren", sagte Jensen.
Und die Perspektive am jetzigen Standort? "Wir sehen sie nicht, und wir sehen die Optionen auch nicht", sagte Jensen. An der August-Christen-Straße könnte er zwar die Nahversorgung aufrechterhalten, aber nicht erweitern. Das aber wolle er. "Wir bräuchten 2000 Quadratmeter Fläche", sagte er. Außerdem sei über das aktuelle Vorhaben mit ihm noch nicht gesprochen worden. Gegenseitige Schuldzuweisungen gibt es, warum verschiedene andere Standorte in Barmstedt für Edeka Jensen nie verwirklicht wurden. Jensen hätte einst gern an der Berliner Straße das Grundstück von Papier Schmidt übernommen. Die Stadt bot andere Flächen im Norden an, und auch die Lutzhorner Straße war im Sommer 2020 nicht das erste Mal ins Gespräch gebracht worden. Auf einen Nenner gekommen sind beide Parteien nicht.
Den Vorwurf der Untätigkeit weist die Politik von sich. "Wir haben uns erhebliche Gedanken gemacht und über mögliche Lösungen gesprochen", betont Ortwin Schmidt, der sich aber bemüht, "kein Prozellan zu zerschlagen". Axel Schmidt (FWB) hatte sich da deutlich akzentuierter echauffiert: "Mir fallen viele Stunden ein, in denen wir versucht haben, Edeka zu befriedigen, wir aber entweder von der Edeka-Zentrale oder von Jensen vor den Kopf gestoßen worden sind."
Jensens letzter Vorschlag Hamburger Straße sei einstimmig abgelehnt worden, bestätigte Bauausschusschef Ortwin Schmidt und verwies auf die im Südosten der Stadt sichergestellte Nahversorgung durch den Netto-Markt am Schusterring. Hans Hansen führt als weiteres Argument die Verkehrsführung an: "Das wäre das vorprogrammierte Verkehrschaos".